Der Kühlschrank ist noch voll, das Handy hat 61 Prozent Akku und Wasser kommt selbstverständlich aus dem Hahn. Genau deshalb wirkt Notfallvorsorge im Alltag schnell übertrieben. Interessant wird sie erst in dem Moment, in dem zwei oder drei dieser Selbstverständlichkeiten gleichzeitig ausfallen.
Für den Einstieg sind 72 Stunden eine vernünftige Größe. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe hält einen Vorrat für mindestens drei Tage bereits für hilfreich; langfristig lautet das Ziel, zehn Tage ohne Einkaufen überstehen zu können. Für Getränke rechnet der aktuelle BBK-Ratgeber mit zwei Litern pro Person und Tag. Für drei Tage sind das sechs Liter pro Person – noch bevor Haustiere berücksichtigt sind.
Wasser entscheidet zuerst
Sechs Liter Wasser wirken auf dem Papier banal. Wer sie einmal neben die Wohnungstür stellt, merkt sofort, wie viel Platz und Gewicht dahintersteckt. Genau das ist der Sinn eines realistischen Vorrats: nicht eine möglichst lange Liste abzuhaken, sondern die Engpässe zu sehen.
Zum Trinken und für eine einfache Mahlzeit reicht der Ansatz von zwei Litern pro Tag als Planungsgröße. Waschen, Toilettenspülung und Reinigung sind damit nicht komfortabel abgedeckt. Wer Platz hat, kann zusätzliche Brauchwasserreserven einplanen. Wer wenig Platz hat, sollte zumindest die Trinkmenge nicht schönrechnen.
Essen, das auch ohne Küche funktioniert
Ein Notvorrat ist kein Regal voller Spezialnahrung. Sinnvoller sind Lebensmittel, die ohnehin gegessen werden und regelmäßig rotieren: Brot oder Knäckebrot, Nüsse, Konserven, Aufstriche, haltbare Milch, Haferflocken, Trockenfrüchte oder fertige Mahlzeiten. Entscheidend ist eine Frage: Kann ich einen Teil davon essen, wenn Herd und Mikrowelle ausfallen?
Wer ausschließlich Reis, Nudeln und Trockengerichte lagert, hat zwar Kalorien im Schrank, braucht aber gleichzeitig Wasser und Brennstoff. Das kann funktionieren, sollte dann aber bewusst Teil des Plans sein.
Licht, Information und ein voller Akku
Eine Taschenlampe findet man im Dunkeln nur dann schnell, wenn man weiß, wo sie liegt. Ersatzbatterien gehören dazu. Eine geladene Powerbank ist sinnvoll, ersetzt aber keine Information, wenn Mobilfunk und Internet ebenfalls gestört sind. Das BBK empfiehlt deshalb weiterhin ein batteriebetriebenes oder anderes stromnetzunabhängiges Radio als zusätzlichen Informationsweg.
Bei Medikamenten wird Vorsorge persönlicher. Regelmäßig benötigte Präparate, Erste-Hilfe-Material, Brille, Hörgerätebatterien oder besondere Hygieneartikel lassen sich nicht durch irgendeine Standardliste ersetzen. Hier lohnt sich ein kurzer Blick auf den eigenen Alltag mehr als auf zehn fremde Packlisten.
Der 72-Stunden-Test ist wichtiger als der perfekte Einkauf
Der beste Test kostet nichts: An einem Wochenende so tun, als blieben Supermarkt und Lieferdienst geschlossen. Nicht absichtlich frieren, keine Stromleitungen abschalten – einfach beobachten, was fehlt, wenn nichts nachgekauft wird. Wie viel Wasser geht tatsächlich weg? Welche Mahlzeit funktioniert ohne großen Aufwand? Wo liegt die Taschenlampe? Ist die Powerbank geladen?
Danach wird aus Vorsorge etwas Konkretes. Vielleicht fehlen zwei Wasserkanister. Vielleicht ist genug Essen da, aber kein manueller Dosenöffner. Vielleicht zeigt sich, dass ein zweites Ladekabel mehr bringt als irgendein Survival-Gadget.
72 Stunden sind nicht das Ende der Planung. Sie sind der Punkt, an dem Vorsorge anfängt, praktisch zu werden.

